Spannung halten

Hast du gelernt bei bestimmten Gefühlen wie Ärger, Angst oder Traurigkeit auszuweichen, sie nicht richtig anzunehmen? An etwas anderes zu denken, oder etwas zu tun, dass dich ablenkt? Essen, Sport, Feiern, Beziehung, Alleinsein, einen Film sehen… egal was es ist, und letztlich kann alles als Ablenkung dienen. Die Gefühle werden dann nicht angeschaut, geleugnet, ignoriert oder weggedrückt.

Dass dies auf Dauer nicht gut ist, hast du vielleicht schon gehört, aber wie kannst du diese Gefühle in vollem Maße zulassen und ihre Intensität ganz wahrnehmen. Und welche Vorteile bringt es noch mit, die Spannung zu halten, außer die Vermeidung der unangenehmen Begleiterscheinung unterdrückter Emotionen, von denen du gehört oder die du vielleicht schon erlebt hast?

Die Spannung halten ist der Begriff, den ich dafür verwenden möchte, wenn du die Gefühle in deinem Körper wahrnimmst, weil es sich tatsächlich wie eine körperliche Spannung anfühlt.

Die Spannung zu halten beinhaltet bewusst und präsent wahrzunehmen, was sich in dir zeigt, es einzuladen und anzunehmen. Du kannst sagen: Ich bin bereit zu spüren, was immer da aufsteigt, was immer da ist. Ich lade ein, was sich zeigen möchte. Und wenn du etwas spürst, dann spürst du hinein und nimmst es einfach nur wahr. Wo fühlst du es im Körper, wie fühlt es sich an? Spüre genau hin.

Bewerte nicht, was du spürst und lenke nicht ab, das heißt spüre dorthin hinein, wo ein Gefühl auftaucht, und fühle es. Wenn du nicht weißt, wie du es fühlen kannst, nimm einfach nur deine Körperwahrnehmung wahr und spüre in die Stelle hinein, wo sich ein Gefühl bemerkbar macht. Spüre so lange in das Gefühl hinein, bis du dich dabei entspannen kannst und dennoch voll präsent mit deiner Aufmerksamkeit bei diesem Gefühl bist.

Dadurch, dass du dich dabei entspannst, ergibt es für dich keinen Sinn mehr dem, was ist, auszuweichen. Du kannst entspannt mit dem Gefühl sein und überlegen, was du tun willst – falls du überhaupt etwas tun willst.

Falls das Gefühl sich im Zusammenhang mit einer anderen Person einstellt, kannst du nun die Perspektive der anderen Person einnehmen. Du kannst der Person oder in die Situation deine Liebe senden und dein Herz weiten. Dadurch änderst du deine Ausstrahlung und wie Menschen auf dich reagieren. Damit nimmst du bewusst Einfluss auf dein Umfeld und gestaltest es entsprechend deines bewussten Seins.

Du kannst deine gewonnene Klarheit auch nutzen, um klar zu kommunizieren, welche Gefühle in dir sind und welche Gedanken du dazu hast. Dein Handeln ist nicht mehr darauf beschränkt affektiv auf ein aufkommendes Gefühl zu reagieren oder einem gewohnheitsmäßigen Muster zu folgen. Das eröffnet dir Handlungsmöglichkeiten, die vorher für dich nicht erreichbar waren.

Dein Gegenüber spürt deine Klarheit und Ruhe. Das macht es für ihn einfacher mit der Situation umzugehen, was es wiederum für dich einfacher macht.

Übung Spannung halten

  1. Nimm das Gefühl einfach wahr. Spüre in die Körperstelle hinein, wo das Gefühl auftaucht.
  2. Nimm nur wahr und spüre hinein

 

Die Spannung zu halten hilft dir nicht nur dabei, weiser in Situationen zu handeln, es hilft dir auch dabei Gefühl und die dazugehörige Energie intensiver zu erleben. Das heißt du kannst Traurigkeit, Wut, Freude und Angst intensiver fühlen. So kannst du tiefer spüren, was in dir vorgeht. Du kannst mehr Energie, die sich bei deiner Wut zeigt, für Transformation nutzen. Du kannst mehr Freude spüren für ein aufregenderes Leben. Du kannst Traurigkeit mehr fühlen für tiefere, verbindendere Beziehungen. Du bist mehr mit deiner Angst in Kontakt, um deiner Intuition und inneren Stimme konsequenter zu folgen.